Lärm


Lärm
Lärm schlagen: die Leute auf etwas aufmerksam machen (oft mit einer abwertenden Note im Sinne von: künstlich aufregen). Die Wendung geht auf einen militärischen Terminus technicus zurück und bewahrt die ursprüngliche Bedeutung von Lärm, womit eigentlich ›Alarm‹, d.h. der Ruf zu den Waffen, italienisch all'arma, französisch à l'arme, gemeint ist (frühneuhochdeutsch larman, lerman). Es war vor allem in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts die Wendung, mit der man zu den Waffen rief. Hans Sachs dichtet:
   Josua kompt mit sein Volk und schreyn:
   Lerman, Lerman, dran, dran, dran!
   In Gottes Namen greif wir an.
1558 heißt es bei Lindener im ›Katzipori‹ schon im übertragenen Sinn: »Und hebt der Pfaff noch den selbigen Tag ein Lerman an«.
   Besonders häufig sind redensartliche Vergleiche mit Lärm, z.B. ›Ein Lärm wie auf dem polnischen Reichstag‹, ›Lärmen wie die Gänse auf dem Kapitol‹, ›Wie die Berserker‹, ›Wie die Wilden‹, ›Er macht mehr Lärm als ein Kesselschmied‹. Der redensartliche Vergleich ›Lärmen wie die Schweidnitzer Büchse‹ geht auf einen chronikalischen Bericht von 1488 über eine Schweidnitzer Kanone zurück, die von 43 Pferden gezogen worden sein und 3 Zentner schwere Kugeln verschossen haben soll.
   Im Sinne des Nichterfülltwerdens bedeutender Ankündigungen oder der Unangemessenheit zwischen Aufwand und Ergebnis werden folgende Redewendungen gebraucht: ›Viel Lärm um nichts‹ (Shakespeares Komödientitel; vgl. Plautus: ›verba sine penu et pecunia‹ = Worte ohne Nährwert und Geld). In der Oberlausitz sagt man: ›Viel Lärm und keine Hochzeit‹ (vgl. ›Viel Geschrei und wenig Wolle‹), Geschrei. ›Sie macht einen Lärm wie die Henne vor Tage‹; ›Er lärmt wie die Frösche im Winter‹ (nämlich gar nicht); ähnlich: ›Er lärmt wie ein Dieb im Pferdestall‹, ›Als wenn die Katze ein Ei legt‹.
   ›Lärmmühle‹ oder ›Lärmkulisse‹ sind neue Bezeichnung eines sehr lauten Motorrades oder einer ohrenbetäubenden Veranstaltung.
• A. PERKMANN: Artikel ›Lärm‹, in: Handbuch des Aberglaubens V, Spalte 914-917.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • larm — sb., en …   Dansk ordbog

  • Lärm — Sm std. (16. Jh.), fnhd. lerman, larman Ruf zu den Waffen Entlehnung. Wie Alarm entlehnt aus frz. alarme (mit regionaler Variante alerme), vgl. it. alle arme, wörtlich zu den Waffen . Das anlautende a ist vor dem starken Hauptton ausgefallen.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • larm — • larm, buller, oväsen, väsen, oljud, brus, sorl, slammer • buller, oväsen, oljud, larm, skrammel, brak, dån, muller, dunder, knall …   Svensk synonymlexikon

  • Lärm — Lärm: Das seit frühnhd. Zeit zuerst als lerman, larman »Lärm, Geschrei« bezeugte Substantiv ist durch Abfall des unbetonten Anlautes aus dem unter ↑ Alarm behandelten Wort (spätmhd. alerm, frühnhd. Alarm‹a›, Alerman) hervorgegangen. – Abl.:… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Lärm — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • Krach • Geräusch Bsp.: • Diese Autos machen so viel Lärm. • Hörst du auch dieses Geräusch? …   Deutsch Wörterbuch

  • Lärm — Lärm, 1) heftiges Geräusch, welches irgendwo gemacht wird; 2) so v.w. Alarm. Daher Lärmapparat, Apparat beim Feuertelegraph, s.u. Feuerpolizei B). Lärmfeuer, so v.w. Fanal. Lärmglocke, so v.w. Sturmglocke. Lärmkanone, in Feldlagern, Cantonirungen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Lärm — ↑Remmidemmi, 1Spektakel, ↑Tumult …   Das große Fremdwörterbuch

  • Lärm — (m), Geräusch (n) eng noise …   Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Glossar

  • Lärm — Als Lärm (von frühneuhochdeutsch: larman = Geschrei; auch Krach) werden Geräusche (Schalle) bezeichnet, die durch ihre Struktur (meist Lautstärke) auf die Umwelt (insbesondere Menschen) störend (Störschall), belastend oder gesundheitsschädigend… …   Deutsch Wikipedia

  • Lärm — Gerumse (umgangssprachlich); Getöse; Tara (umgangssprachlich); Rabatz (umgangssprachlich); Gebrüll; Krach; Radau (umgangssprachlich); Terz ( …   Universal-Lexikon